Das Kuhroulette in Unterensingen ist zurück: Am 13. September wird das Bettwiesengelände wieder zur ungewöhnlichsten Spielwiese der Region
Es gibt Sonntage, die beginnen mit einem Frühstück und enden auf dem Sofa. Und es gibt Sonntage, von denen man noch Jahre später erzählt. Der 13. September könnte in Unterensingen wieder so ein Sonntag werden. Wenn sich an diesem Tag das Bettwiesengelände füllt, wenn Familien mit Kindern kommen, Freunde sich begrüßen, der Duft von Essen und Kaffee über die Wiese zieht und sich immer mehr Menschen rund um ein ungewöhnliches Spielfeld versammeln, dann ist klar: Das Kuhroulette ist zurück. 420 Felder liegen auf dem Rasen. Jedes davon drei mal drei Meter groß. Irgendwo dazwischen liegt das persönliche Glück eines Menschen. Man weiß nur noch nicht, wo. Denn darüber entscheidet an diesem Tag niemand mit Würfeln, Karten oder einer Roulettekugel. Darüber entscheidet eine Kuh.
Ein Fest, das man nicht erklären muss – man muss es erleben
Kuhroulette. Allein das Wort sorgt schon für ein Schmunzeln. Doch wer einmal erlebt hat, was sich hinter dieser ungewöhnlichen Veranstaltung verbirgt, merkt schnell: Es geht um viel mehr als um einen Gewinn von 333,33 Euro. Es geht um Gemeinschaft. Um Vorfreude. Um dieses besondere Gefühl, wenn ein ganzer Platz plötzlich auf drei Kühe schaut und für einen Moment alle dasselbe wollen.
Kuhroulette hat eine lange Tradition
Seit 2001 veranstaltet der Posaunenchor des CVJM Unterensingen das Kuhroulette alle zwei Jahre. Aus einer kuriosen Idee ist längst eine Veranstaltung geworden, die weit über den Ort hinaus bekannt ist. Beim letzten Kuhroulette 2024 kamen rund 2000 Besucherinnen und Besucher nach Unterensingen. Zwölf von ihnen durften sich am Ende über jeweils 333,33 Euro freuen. Doch mindestens ebenso wertvoll wie das Geld sind die Geschichten, die an diesem Tag entstehen.
Erst die Ruhe, dann die Spannung
Der Tag beginnt ganz bewusst ruhig. Um 10 Uhr wird auf den Bettwiesen Gottesdienst im Grünen gefeiert. Der Posaunenchor sorgt für die musikalische Begleitung. Sollte das Wetter nicht mitspielen, wird ins Zelt ausgewichen. Ab 11 Uhr beginnt der Losverkauf, gleichzeitig startet die Bewirtung. Menschen kommen zusammen. Man trifft Bekannte. Kinder entdecken das Gelände. Es wird gegessen, getrunken und geredet. Ab 13 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen. Es ist ein Fest, das Zeit lässt. Bis sich die Aufmerksamkeit langsam auf das Spielfeld richtet. Denn irgendwann kommt der Moment, auf den alle gewartet haben.
Drei Kühe betreten das Spielfeld
12.30 Uhr. Der erste Durchgang beginnt. Die Kühe kommen. Und mit ihnen verändert sich die Stimmung. Aus Gesprächen werden Beobachtungen. Aus Beobachtungen werden Vermutungen. Menschen schauen auf die Tiere und gleichzeitig auf ihre eigenen Felder. Die Kühe aber kennen keine Spannung. Sie kennen keine Gewinnquoten. Sie interessieren sich nicht dafür, ob jemand seit Wochen davon träumt, endlich einmal Glück zu haben. Sie gehen einfach. Feld für Feld. Meter für Meter. Und genau darin liegt die Spannung. Dann hebt sich der Schwanz – es ist dieser eine Moment, den jeder beim Kuhroulette erleben möchte. Eine Kuh bleibt stehen. Vielleicht auf einem Feld, das verdächtig nahe am eigenen liegt. Die Zuschauer halten den Atem an. Noch ein Schritt. Noch einer. Dann hebt sich der Schwanz. Jetzt kann alles passieren. Der Countdown läuft. Ein gültiger Kuhfladen kann 333,33 Euro wert sein. Dann wird gerufen, gelacht, gejubelt. Menschen laufen gedanklich ihre Felder ab. Andere versuchen herauszufinden, wem das Glück gerade hold war.Und irgendwo steht vielleicht jemand, der wenige Sekunden zuvor noch gesagt hat: „Ach, ich gewinne doch sowieso nie.“
Das vielleicht schönste Spiel der Welt
Natürlich hat Kuhroulette mit Glück zu tun. Hier sitzt niemand allein vor einem Automaten. Niemand verschwindet hinter einer Karte oder einem Bildschirm. Hier stehen Menschen nebeneinander. Man fiebert gemeinsam. Man freut sich gemeinsam. Und manchmal gönnt man sogar dem Nachbarn den Gewinn – zumindest ein bisschen. Das Spielfeld wird zum Mittelpunkt eines ganzen Festes. Die Spannung verbindet Menschen, die sich kennen, und Menschen, die sich an diesem Tag zum ersten Mal begegnen. Vielleicht ist das der Grund, warum das Kuhroulette so viele Menschen fasziniert: Man weiß nicht, was passieren wird. Aber man möchte unbedingt dabei sein, wenn es passiert.
Und wenn die Kuh einfach nicht will?
Auch dafür haben die Organisatoren vorgesorgt. Ein Durchgang dauert maximal zwei Stunden. Sollte in dieser Zeit kein gültiger Kuhfladen auf einem gesetzten Feld landen, greift eine besondere Regelung. Dann entscheidet der Standort der Kuh „Wolkara“ mit ihrem rechten Vorderfuß. (kuhroulette.com) Denn auch das gehört zum Kuhroulette: Man kann vieles vorbereiten. Man kann das Spielfeld vermessen. Man kann die Regeln festlegen. Man kann Lose verkaufen. Aber die Hauptdarstellerinnen machen, was sie wollen.
Am Nachmittag beginnt alles noch einmal
Um 15 Uhr folgt der zweite Durchgang. Wieder kommen die Kühe. Wieder 420 Felder. Wieder 333,33 Euro pro Gewinnrunde. Und wieder diese besondere Mischung aus Gelassenheit und Spannung. Vielleicht ist das Glück diesmal auf der anderen Seite des Spielfelds. Vielleicht trifft es jemanden, der am Vormittag noch leer ausgegangen ist. Vielleicht steht eine Familie gemeinsam auf ihrem Feld und wartet. Vielleicht wird jemand völlig unerwartet zum Gewinner. Beim Kuhroulette ist alles möglich.
Hinter dem Spaß steckt viel Arbeit
Was auf der Wiese leicht und selbstverständlich aussieht, ist das Ergebnis von viel ehrenamtlichem Engagement. Der Posaunenchor des CVJM Unterensingen organisiert das Fest, und zahlreiche Helferinnen und Helfer sorgen dafür, dass aus einer Wiese für einen Tag ein großes Festgelände wird. Sie bauen auf, bewirten, verkaufen Lose, kümmern sich um die Besucher, organisieren das Programm und sorgen dafür, dass am Ende wieder alles so aussieht, als wäre nichts gewesen. Dass eine Veranstaltung wie das Kuhroulette seit 2001 immer wieder stattfinden kann, ist deshalb auch ein Zeichen dafür, was möglich ist, wenn Menschen ihre Zeit und Energie für eine gemeinsame Sache einsetzen. (kuhroulette.com)
Kuhroulette ist ein Sonntag gegen die Langeweile
Vielleicht ist das die schönste Einladung an diesem Tag: Man muss nichts Besonderes können. Man muss kein Glückspilz sein. Man muss kein Kuh-Experte sein. Man muss nur kommen. Man kann den Gottesdienst besuchen, mit der Familie über das Gelände schlendern, etwas essen, Kaffee trinken, Kinder spielen lassen, Freunde treffen und irgendwann feststellen, dass man plötzlich gespannt auf eine Kuh schaut. Und dann ist man mittendrin.
Dann folgt der zweite Durchgang. (kuhroulette.com).
